Tanja

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Sozialarbeiterin, Familientherapeutin (Ausbildung im ddif, Berlin)

Hilfe, meinem Kind geht es nicht gut. Was kann ich tun?



Hilfe, meinem Kind geht es nicht gut. Was kann ich tun?


Ihrem Kind geht es nicht gut und Sie fühlen sich hilflos? Sie wissen nicht was Sie tun können um Ihm zu helfen?
Was ist das Schlimme für Sie am Problem Ihres Kindes? Fühlen Sie sich hilflos? Oder sind Sie wütend z.B.auf eine Person, die „Schuld“ am Problem Ihres Kindes ist?
Was benötigen Sie, dass es in Ihnen in dieser Situation gut gehen kann? Ein Gespräch mit Freund*in? Yoga oder Meditation?

Sorgen Sie zunächst für sich selbst.

Dadurch sind Sie besser imstande, sich stabiler und sicherer um Ihr Kind zu unterstützen.Machen Sie sich bestehende Problem Ihres Kindes (jedenfalls das was Sie dafür halten) bewusst.


Unterscheiden Sie zwischen zwei verschiedenen Dingen:


1. Liegt die Lösung des Problems in Ihrer Macht?

Sie haben eine Ahnung davon, was Ihr Kind belastet und Ihr Kind kann das Problem alleine nicht lösen. Beispielsweise bei Trennung, bei der Ihrer Meinung nach Ihr Kind unter dem Verhalten Ihrer/s Expartner*in leidet.

Oder:


2. Es ist Ihnen nur möglich, Ihr Kind bestmöglich in der Situation zu unterstützen:

Sie haben eine Idee welches Problem Ihr Kind haben könnte. Es steht jedoch außerhalb Ihres Einflussbereiches dieses Problem für Ihr Kind zu lösen. Zum Beispiel, Streit mit Freunden, Liebeskummer etc.


Zu 1.

Falls es in Ihrer Macht liegt, das Problem für Ihr Kind zu entschärfen.


Dann setzen Sie sich für Ihr Kind ein. Reden Sie mit der Person. Falls Sie nicht wissen wie, fragen Sie eine Freund*in oder nehmen Sie sich professionelle Unterstützung an die Seite. Falls es Ihnen trotz aller Anstrengungen nicht gelingt, die Person zu einer Verhaltensänderung zu gewinnen, reden Sie mit Ihrem Kind. Sagen Sie beispielsweise: “Ich möchte so gerne, dass …… anders mit dir umgeht. Ich glaube du leidest darunter. Leider kann ich ……… nicht verändern. Kann ich irgendetwas für dich tun“?

Bei Trennung/Scheidung oder Streit der Eltern ist es sehr wichtig, Ihr Kind nicht in einen Loyalitätskonflikt zu bringen. Weil Ihr Kind darunter sehr leidet. Scheuen Sie sich nicht, sich professionell beraten zu lassen.



Zu 2.

Sie können Ihr Kind nur begleiten, sein Problem nicht lösen.


Versuchen Sie sich so wenig Sorgen wie möglich zu machen. Sorgenvolle Blicke lasten wirklich schwer auf den Schultern Ihres Kindes. Wenn es Ihnen schlecht geht, weil Ihr Kind leidet, ist das ein Teufelskreis. Ihr Kind merkt das und fühlt sich deshalb zusätzlich schlecht. Auch deshalb ist es so wichtig, dass Sie gut für sich selbst sorgen.
Nerven Sie Ihr Kind nicht mit Fragen. Wenn Sie merken, es möchte nicht darüber sprechen, lassen Sie es in Ruhe. Ansonsten sagen Sie: „Ichbefürchtees geht dir nicht gut, kann ich etwas für dich tun“?

Vielleicht etwas leckeres zu Essen machen oder einen schönen Ausflug? Falls Ihr Kind sich zurückziehen möchte, gilt es, genau das auszuhalten. Und vor allem, wenn Sie es sehen, fragen Sie nichts. SeienSie besser freundlich und unaufdringlich. Geben Sie Ihrem Kind die Chance von sich aus auf Sie zuzukommen. Sollten Sie die Probleme von Ihrem Kind als schwerwiegend beachten, nehmenSie sich professionelle Hilfe dazu.


Ich hoffe, ich konnte Ihnen mit diesen Impulsen etwas Gutes tun.

Wenn Sie möchten, dass wir uns Ihre Situation kurz gemeinsam anschauen, kontaktieren Sie mich.

Es gibt die Möglichkeit einer kostenfreien Kurzberatung.


Herzliche Grüße

Tanja Göttmann

- Tanja Göttmann -

Hilfe, mein Kind macht nichts im Haushalt!

Mein Kind macht im Haushalt überhaupt nichts!


Vielleicht kommt Ihnen das bekannt vor? Ihr Kind macht im Haushalt wirklich nichts.


Wenn Sie den Geschirrspüler selbst aufräumen würden, ist es viel weniger anstrengend, als Ihr Kind immer wieder daran zu erinnern. Aber das kann es ja irgendwie auch nicht sein….


Sie schwanken zwischen Aufgeben und Wutausbrüchen. Und irgendwie sehen sie nicht ein, alles alleine zu machen.


Das Gute ist, das Problem ist bei Ihnen zuhause entstanden, dann können Sie es auch dort lösen.


1. Reflexion


- Als erstes blicken Sie nach innen, warum genau ist das Verhalten so schlimm für Sie?

- Was ist ihr Bedürfnis hinter ihrem Ärger?

- Sind Sie der Meinung, Sie leisten zu viel und ihr Kind sollte dankbar sein?

- Oder möchten Sie mehr Respekt von Ihrem Kind?


Und: Kennen Sie dieses Gefühle und das unbefriedigte Bedürfnis bei sich?


2. Wie ist die Beziehung zu Ihrem Kind


Verstehen Sie sich grundsätzliche gut? Über welche Themen sprechen Sie miteinander? Ist Ihre Beziehung von Fragen: “Hast du das schon gemacht“? Und: „Du musst das noch machen“! geprägt?


3. Wie ist die Lebenssituation Ihres Kind in den letzten Jahren?



Zu 1. Reflektion - Übernehmen sie die Verantwortung


Übernehmen Sie die Verantwortung für Ihr Bedürfnis. Hoffen Sie nicht darauf, dass Ihr Kind dies für Sie übernimmt. Wie können sie gut für sich sorgen ohne Ihrem Kind dafür hinterherzurennen? Werden Sie kreativ.


Fühlen Sie sich überlastet? Entlasten Sie sich, Ihr Kind ist dafür nicht die richtige Ansprechperson.

Ich bin der Meinung, Kinder bzw. Jugendliche können natürlich im Haushalt mitmachen. Es gibt jedoch einen Grund warum sie dies nicht mehr tun. Kinder kommen immer als soziale Wesen auf die Welt, sie wollen wertvoll für andere sein und ihren Beitrag für die Gemeinschaft leisten. Erinnern Sie sich daran, als Ihr Kind klein war. Die meisten Kinder wollten unbedingt mitmachen.


Irgendetwas ist in den letzten Jahren passiert, dass dies nicht mehr so ist.



Zu 2. Wie ist die Beziehung zu Ihrem Kind? Nehmen Sie Abstand von Aufforderungspredigten.


Vielleicht kennen Sie das, kaum sehen Sie ihr Kind gehen die Fragen los. Hast du das schon gemacht…… Damit begegnen Sie Ihrem Kind auf der Funktionsebene.

Erzählen Sie etwas von sich und lassen Sie Ihr Kind von sich erzählen. Wenn die Kontaktaufnahme zu Ihrem Kind von Aufforderungen geprägt ist, wird Ihr Kind diese verweigern. Es möchte in seiner Existenz wahrgenommen werden.


Zu 3. Wie ist die Lebenssituation Ihres Kindes in den letzten Jahren?


Häufig steht hinter einer Verweigerung der Hausarbeit eine Botschaft. Es ist möglich, dass es Ihrem Kind nicht gut geht.


Hinterfragen Sie das kritisch. Gibt es Lebensbedingungen die für ihr Kind schwierig sind? Dazu können ein neuer Partner*in, Schulwechsel, Wohnortwechsel stehen. Manchmal fühlen sich Kinder auch von Ihren Eltern jahrelang missverstanden und quittieren das mit einer Mitarbeitsverweigerung.


Falls Sie sich in einem der Punkte wiedererkennen ist es gut möglich, die Beziehung zu Ihrem Kind neu zu gestalten und dann zusätzlich auf die Einhaltung diverser Gemeinschaftsarbeiten zu pochen.


Ich bin mir sicher, Sie können einiges verändern und die Situation zuhause wird sich verbessern.


Wenn Sie Ihr Familienleben nachhaltig verbessern möchten, schreiben Sie mir eine mail.

Wir in einer kostenlose Kurzberatung gemeinsam auf Ihre Schwierigkeiten schauen und überlegen ob eine Zusammenarbeit nötig ist.


Ich freue mich auf Sie!


Herzliche Grüße

Tanja Göttmann

- Tanja Göttmann -

Hilfe, mein Kind ist wie mein Ex!

​Hilfe, mein Kind ist wie mein Ex

In diesem Artikel schreibe ich über die Situation die mir häufig bei der Arbeit mit Eltern begegnet, die sich getrennt haben. Oder sich in ein unglücklichen Beziehung befinden.​

Vielleicht kommt Ihnen das bekannt vor?​ Ihr Kind zeigt Verhaltensweisen, die Ihnen bei Ihrem Partner*in schon nicht gefallen. Die Sie verletzen und unter denen Sie leiden?

Ich kenne von Müttern/Vätern den verzweifelten Satz: „Jetzt bin ich meinen Partner*in los und stelle fest, dass ich mit meinem Sohn/Tochter das gleiche Problem habe“.

Für die Eltern ist das eine sehr belastende und schier ausweglose Situation.

Die Verzweiflung geht bei manchen Eltern so weit, dass Sie darüber nachgedacht haben, ob es nicht besser ist, wenn das Kind bei dem anderen Elternteil lebt.

Ein Teufelskreis entsteht

Auch für die Kinder selbst ist es schlimm. Sie fühlen, wenn auch unbewusst, dass sie mit gewissen Verhaltensweisen ihrem anderen Elternteil gleichen und genau damit viel Ablehnung erfahren. Wenn ich mit Eltern in Beratungen darüber spreche, entsteht häufig der Satz:“ Dann kann mein Kind das doch einfach lassen“.

Leider ist es nicht so einfach für Ihr Kind. Kindern fällt die Aufgabe zu, Ihren Eltern die eigenen Entwicklungspotentiale aufzuzeigen. Kinder kommen aus dieser Rolle nur heraus, wenn Eltern sie daraus entlassen. Das bedeutet, wenn Eltern sich Ihren Schwächen stellen und​ bereit sind sich weiter zu entwickeln. ​

Kinder sind Entwicklungshelfer ihrer Eltern

Kinder zeigen Ihren Eltern ​mit enormer Treffsicherheit ihre Problemstellen auf. Also genau diese Eigenschaften bei dem ​Sie als Mutter/Vater Schwierigkeiten haben.

Ein konkretes Beispiel:

Eine Mutter aus meiner Beratung hat sich über eine sehr lange Zeit von Ihrem Mann respektlos behandeln lassen. Sie fühlte sich nicht ernst genommen und ihre Bedürfnisse wurden ignoriert. Es ist Ihr nicht gelungen, sich gut für sich einzusetzen. Nach vielen Jahren unglücklicher Ehe hat sie die Konsequenz gezogen und sich getrennt.

Das gemeinsame Kind, ihre Tochter lebt weiterhin bei ihr. ​Mit zum Teil identischen Verhaltensweisen des Vaters. Die Beziehung von der Mutter zu ihrer Tochter leidet enorm darunter und wird schlechter. Sie fühlt sich hilflos und hat mal keine Idee, wie Sie diese harte Nuss für sich knacken kann. 

​​Die Mutter bittet mich um Unterstützung und gemeinsam finden wir heraus, wie sie aus diesem Dilemma herauskommt. Und zwar so, dass Sie sich gut um sich kümmern und gleichzeitig die Beziehung zu ihrer Tochter verbessern kann. Großes Thema ist dabei, sich um ihre Grenzen zu kümmern und dafür einzustehen. ​

​Ohne, dass Sätze fallen :“Du bist wie dein Vater“!

Ihre derzeitige Lebenssituation ist die Chance die Beziehung zu sich selbst und zu ihrer zu verbessern.

Das Zauberwort heißt Beziehungskompetenz. Darauf gehen ich in meinem nächsten Blogartikel ein.

Wenn Sie sich angesprochen fühlen und nicht wissen, wie Sie diese schwierige Situation für sich gut lösen können, schreiben Sie mich an.

In einer kostenlosen Kurzberatung schaue ich auf Ihre individuellen Schwierigkeiten und wir finden gemeinsam eine Lösung. Damit Sie sich mit sich selbst und Ihrem Kind wohlfühlen können. 

Ich freue mich auf Sie, gemeinsam schaffen wir das!

Herzliche Grüße

Tanja Göttmann

– Tanja Göttmann –

Hilfe mein Kind macht keine Hausaufgaben!

In diesem Beitrag werde ich darüber schreiben, warum Nachhilfe bei manchen Schülern nicht zum Erfolg führt, wie wichtig ein gesundes Selbstwertgefühl für das Lernen ist und was Eltern tun können, um das Selbstwertgefühl ihres Kindes zu fördern.


Zu Beginn beziehe ich mich auf die zwei Begriffe „Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl“ und gehe auf deren Unterschiede ein. Desweiteren erkläre ich kurz, wie es zu „Verhaltensauffälligkeiten“ bei Kindern kommen kann.


Das Selbstvertrauen bezieht sich darauf, etwas gut zu können. Beispielsweise gut Klavier oder Fussball zu spielen. Selbstvertrauen kann durch Üben verstärkt werden. Also, wenn ich viel Klavier spiele werde ich immer besser darin. Genauso ist es, wenn ich Fussball spiele. Mein Selbstvertrauen steigt.


Wenn ein Kind in der Schule feststellt, dass es gut in Mathe ist, wird es in diesem Fach Selbstvertrauen erlangen und auch dementsprechend sicher an Mathe Aufgaben herangehen. Meistens werden die Kinder dann gelobt. Das Lob bezieht sich jedoch auf deren erbrachte Leistung. Kinder können ein großes Selbstvertrauen besitzen und dennoch sehr wenig Selbstwertgefühl. Manche Menschen bringen Höchstleistungen in ihrer Sportart, Weltmeister im Skisprung und sind dennoch depressiv.


Sie sind es gewohnt sich über ihre Leistung zu definieren und anerkannt zu werden und nicht darüber wie sie „sind“. Selbstwertgefühl sagt etwas darüber aus, wie erlebtes bewertet wird, vor allem Niederlagen.


Ein Beispiel.

  • Jemand mit gutem Selbstwertgefühl möchte Gitarre spielen lernen. Er nimmt eine Unterrichtsstunde und stellt fest, dass es ihm richtig schwer fällt oder es gelingt ihm überhaupt nicht. Da er ein gutes Selbstwertgefühl hat, nimmt er dies nicht so schwer und denkt: „Naja, in Gitarre bin ich jetzt nicht so gut. Suche ich mir lieber ein anderes Hobby“.
  • Jemand mit schlechtem Selbstwertgefühl hingegen, wertet sich als Person ab, so in etwa: „Ich kann ja auch gar nichts, noch nicht mal Gitarre spielen. Klar, bin ich zu doof dafür…., ich bekomme auch gar nichts auf die Reihe..“In der Schule wird die Leistung des Kindes belohnt, dass heißt es steigert bestenfalls das Selbstvertrauen, nicht jedoch das Selbstwertgefühl.

Kinder denen es nicht oder nur teilweise gelingt, in der Schule die gewünschten Leistungen zu erbringen, haben häufig ein geringes Selbstwertgefühl. Oft beginnt hier die Abwärtsspirale. Kinder trauen sich immer weniger zu und ihr Selbstbild wird immer negativer. Dann kann es passieren, dass Kinder mit „Verhaltensauffälligkeiten“ reagieren. Dazu kann Stören des Unterrichts, verweigern der Hausaufgaben bis hin zur totalen Schulverweigerung gehören.


Das Verhalten eines Kindes sagt immer aus, wie es ihm geht. Deshalb ist es außerordentlich wichtig, das Verhalten ernst zu nehmen, statt es einfach nur „weg haben“ zu wollen. In Form von Belohnungen, Strafen oder diversen Punkteplänen. Diese Art der  Reparatur schwächt das Selbstwertgefühls des Kindes nachhaltig. Da es mit seinen existenziellen Bedürfnissen und Gefühlen nicht gesehen und ernst genommen wird.

Teilweise beklagen sich Lehrer  darüber, dass sie von den Kindern angelächelt werden, wenn sie diese zurecht weisen. „Ihr macht das gar nichts aus, sie lacht ja noch“. Dabei ist dies meistens ein verzweifelter Versuch des Kindes seine Integrität zu wahren und sich zu schützen. Das Selbstwertgefühl des Kindes wird nachhaltig geschwächt und spätestens jetzt wird deutlich, wie sinnlos es sein kann, Kinder in den Fächern zu fördern, die ihnen schwer fallen und das Selbstwertgefühls des Kindes außer Acht zu lassen.


Ein Kind, dass von sich keine gute Meinung hat und noch dazu von sich überzeugt ist, es sei dumm, wertlos und falsch, ist ganz und gar mit der eigenen Abwertung beschäftigt. Es ist nicht mehr in der Lage, Lernstoff aufzunehmen.

In diesem Fall ist Nachhilfe nur mit dem Symptom des Kindes beschäftigt und vollkommen blind für die existenzielle Ursache.


Tiefergehende Erforschung von Verhaltensauffälligkeiten der Kinder sind meist komplex,

da die gesamte Lebenswelt des Kindes betrachtet werden muss. Auch um die möglichen Gründe für das geringe Selbstwertgefühls des Kindes zu erfahren. Wie geht es ihm in seiner Familie und in der Schule? In welchen Beziehungen lebt das Kind, sind diese bsplsw. eher destruktiv geprägt?


Nach meiner Erfahrung mit Familien mit deren Kind Schwierigkeiten in der Schule hat, ist es wichtig eng mit den Eltern zusammen zu arbeiten. Es ist auch wichtig, zu wissen, inwieweit Eltern unter der Schulsituation leiden. Unter welchem Druck sie stehen und welche Ängste und Sorgensie haben. Da sich dies immer auf das Wohlergehen des Kindes auswirkt.



Aus diesem Grund arbeite ich sehr intensiv mit den Eltern zusammen. Oft wissen sie gar nicht wie viel Druck sie an ihr Kind weiter geben und wie sich das bei ihrem Kind auswirkt, dass bereits unter wenig Selbstwertgefühl leidet. Sobald sich Eltern wieder handlungsfähig erleben und wissen was sie konkret tun können, um ihr Kind zu unterstützen, geht es ihnen oft besser.



Statt fokussiert auf das Thema Schule zu sein und immer wieder zu scheitern, beginnt ihr Blick sich nach innen zu richten.



Wie geht es mir, was brauche ich, damit es mir besser geht und wie geht es meinem Kind? Ich unterstütze Eltern zu mehr Beziehungskompetenz zu gelangen, denn dadurch geht es der ganzen Familie besser.



Was sie als Eltern aktiv tun können um das Selbstwertgefühl ihres Kindes zu fördern statt es weiter zu schwächen?



  • Seien Sie loyal mit Ihrem Kind statt sich mit den Lehrern gegen Ihr Kind zu verbünden. Ihr Kind braucht Sie und Ihre Liebe. Gerade in so einer schwierigen Zeit.

  • Hören Sie auf Ihr Kind für schlechte Noten oder Lehrerbriefe zu bestrafen oder auszuschimpfen. Ihr Kind hat gute Gründe für sein Verhalten.

  • Kümmern Sie sich gut um sich, was brauchen Sie, damit es Ihnen gut geht. Ihr Kind ist für Ihr Wohlergehen nicht verantwortlich in dem es „gut“ in der Schule sein muss.

Falls Sie es Ihnen trotz aller Bemühungen nicht gelingt, ihre Situation und die Ihres Kindes zu verbessern scheuen Sie sich nicht davor sich beraten und unterstützen zu lassen. 

- Tanja Göttmann -

Warum werden Menschen süchtig

Ein sehr interessanter Artikel der Focus Redakteurin Gina Louisa Metzler.

Warum werden Menschen süchtig? Anders als viele denken, sind es nicht die Drogen selbst, die Menschen in die Abhängigkeit treiben. Experten sind sich sicher, dass eine Sucht fast immer auf schmerzhafte Erfahrungen aus der Kindheit zurückgeht.

Lesen Sie mehr... 


- Tanja Göttmann -

Nachhilfe

In diesem Beitrag werde ich darüber schreiben, warum Nachhilfe bei manchen Schülern nicht zum Erfolg führt.

Zu Beginn beziehe ich mich auf die zwei Begriffe „Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl“und gehe auf deren Unterschiede ein. Desweiteren erkläre ich kurz, wie es zu „Verhaltensauffälligkeiten“ bei Kindern kommen kann.


Das Selbstvertrauen bezieht sich darauf, etwas gut zu können. Beispielsweise gut Klavier oder Fußball zu spielen. Selbstvertrauen kann durch Üben verstärkt werden. Also, wenn ich viel Klavier spiele werde ich immer besser darin. Genauso ist es, wenn ich Fußball spiele. Mein Selbstvertrauen steigt.

Wenn ein Kind in der Schule feststellt, dass es gut in Mathe ist, wird es in diesem Fach Selbstvertrauen erlangen und auch dementsprechend sicher an Matheaufgaben herangehen. Meistens werden die Kinder dann gelobt. Das Lob bezieht sich jedoch auf deren erbrachte Leistung. Kinder können ein großes Selbstvertrauen besitzen und dennoch sehr wenig Selbstwertgefühl. Manche Menschen bringen Höchstleistungen in ihrer Sportart, Weltmeister im Skisprung und sind dennoch depressiv.

Sie sind es gewohnt sich über ihre Leistung zu definieren und anerkannt zu werden und nicht darüber wie sie „sind“. Selbstwertgefühl sagt etwas darüber aus, wie erlebtes bewertet wird, vor allem Niederlagen.


Ein Beispiel.

  • Jemand mit gutem Selbstwertgefühl möchte Gitarre spielen lernen. Er nimmt eine Unterrichtsstunde und stellt fest, dass es ihm richtig schwer fällt oder es gelingt ihm überhaupt nicht. Da er ein gutes Selbstwertgefühl hat, nimmt er dies nicht so schwer und denkt: „Naja, in Gitarre bin ich jetzt nicht so gut. Suche ich mir lieber ein anderes Hobby“.
  • Jemand mit schlechtem Selbstwertgefühl hingegen, wertet sich als Person ab, so in etwa: „Ich kann ja auch gar nichts, noch nicht mal Gitarre spielen. Klar, bin ich zu doof dafür…., ich bekomme auch gar nichts auf die Reihe..“In der Schule wird die Leistung des Kindes belohnt, dass heißt es steigert bestenfalls das Selbstvertrauen, nicht jedoch das Selbstwertgefühl.

Kinder denen es nicht oder nur teilweise gelingt, in der Schule die gewünschten Leistungen zu erbringen, haben häufig ein geringes Selbstwertgefühl. Oft beginnt hier die Abwärtsspirale. Kinder trauen sich immer weniger zu und ihr Selbstbild wird immer negativer. Dann kann es passieren, dass Kinder mit „Verhaltensauffälligkeiten“ reagieren. Dazu kann Stören des Unterrichts, verweigern der Hausaufgaben bis hin zur totalen Schulverweigerung gehören.


Das Verhalten eines Kindes sagt immer aus, wie es ihm geht. Deshalb ist es außerordentlich wichtig, das Verhalten ernst zu nehmen, statt es einfach nur „weg haben“ zu wollen, in Form von Belohnungen, Strafen oder diversen Punkteplänen. Diese Art der  Reparatur schwächt das Selbstwertgefühls des Kindes nachhaltig. Da es mit seinen existenziellen Bedürfnissen und Gefühlennicht gesehen und ernst genommen wird.


Teilweise beklagen sich Lehrer  darüber, dass sie von den Kindern angelächelt werden, wenn sie diese zurecht weisen. „Ihr macht das gar nichts aus, sie lacht ja noch“. Dabei ist dies meistens ein verzweifelter Versuch des Kindes seine Integrität zu wahren und sich zu schützen. Das Selbstwertgefühl des Kindes wird nachhaltig geschwächt und spätestens jetzt wird deutlich, wie sinnlos es sein kann, Kinder in Fächern zu fördern, die ihnen schwer fallen und das Selbstwertgefühls des Kindes dabei außer Acht zu lassen.


Ein Kind, dass von sich keine gute Meinung hat und noch dazu von sich überzeugt ist, es sei dumm, wertlos und falsch, ist ganz und gar mit der eigenen Abwertung beschäftigt. Es ist nicht mehr in der Lage, Lernstoff aufzunehmen.

In diesem Fall ist Nachhilfe nur mit dem Symptom des Kindes beschäftigt und vollkommen blind für die existenzielle Ursache.


Tiefergehende Erforschung von Verhaltensauffälligkeiten der Kinder sind meist komplex,

da die gesamte Lebenswelt des Kindes betrachtet werden muss. Auch um die möglichen Gründe für das geringe Selbstwertgefühls des Kindes zu erfahren. Wie geht es ihm in seiner Familie und in der Schule? In welchen Beziehungen lebt das Kind, sind diese bsplsw. eher destruktiv geprägt?


Nach meiner Erfahrung mit Familien mit deren Kind Schwierigkeiten in der Schule hat, ist es wichtig eng mit den Eltern zusammen zu arbeiten. Es ist auch wichtig, zu wissen, inwieweit Eltern unter der Schulsituation leiden. Unter welchem Druck sie stehen und welche Ängste und Sorgensie haben. Da sich dies immer auf das Wohlergehen des Kindes auswirkt.


Aus diesem Grund arbeite ich sehr intensiv mit den Eltern zusammen. Oft wissen sie gar nicht wie viel Druck sie an ihr Kind weiter geben und wie sich das bei ihrem Kind auswirkt, dass bereits unter wenig Selbstwertgefühl leidet. Sobald sich Eltern wieder handlungsfähig erleben und wissen was sie konkret tun können, um ihr Kind zu unterstützen, geht es ihnen oft besser.


Statt fokussiert auf das Thema Schule zu sein und immer wieder zu scheitern, beginnt ihr Blick sich nach innen zu richten.


Wie geht es mir, was brauche ich, damit es mir besser geht und wie geht es meinem Kind? Ich unterstütze Eltern zu mehr Beziehungskompetenz zu gelangen, denn dadurch geht es der ganzen Familie besser.


Was sie als Eltern aktiv tun können um das Selbstwertgefühl ihres Kindes zu fördern statt es weiter zu schwächen?


  • Seien Sie loyal mit Ihrem Kind statt sich mit den Lehrern gegen Ihr Kind zu verbünden. Ihr Kind braucht Sie und Ihre Liebe. Gerade in so einer schwierigen Zeit.
  • Hören Sie auf Ihr Kind für schlechte Noten oder Lehrerbriefe zu bestrafen oder auszuschimpfen. Ihr Kind hat gute Gründe für sein Verhalten.
  • Kümmern Sie sich gut um sich, was brauchen Sie, damit es Ihnen gut geht. Ihr Kind ist für Ihr Wohlergehen nicht verantwortlich in dem es „gut“ in der Schule sein muss.

Falls Sie es Ihnen trotz aller Bemühungen nicht gelingt, ihre Situation und die Ihres Kindes zu verbessern scheuen Sie sich nicht davor sich beraten und unterstützen zu lassen. 

Herzliche Grüße

Tanja Göttmann


- Tanja Göttmann -

Schluss mit der Bevormundung

Das Jugendamt erwartet von mir als Familienhelferin, dass ich die mir zugewiesenen Eltern dazu bringe, selbst für das Wohlergehen ihrer Familie zu sorgen. Oft wird Familienhilfe allerdings zu einer Dauereinrichtung. Oft wird die Erwartung, dass die Familien sich und ihr Leben ändern, nicht erfüllt. Oft wehren sich die Familien gegen die Bevormundung – und oft sind wir Familienhelferinnen frustriert, weil die erhoffte Veränderung ausbleibt.

Ich arbeite als Familienhelferin, aber ich bin zugleich erlebnisorientierte Familientherapeutin und habe daher eine andere Perspektive auf diese Arbeit. Auch als Familientherapeutin geht es mir darum, Veränderung zu ermöglichen. Aber ich bin geprägt von der Haltung von Walter Kempler und Jesper Juul, die davon ausgehen, dass nicht Bevormundung, sondern nur eine gleichwürdige therapeutische Beziehung Veränderung ermöglicht – eine Beziehung, die die Erfahrungen des anderen ernst nimmt und in der die Therapeutin (oder Familienhelferin) eine Vorbildfunktion hat. Wenn ich keine Bereitschaft zu persönlicher Entwicklung zeige, wenn ich keine Verantwortung für mich und meine Gefühle übernehme, dann werden es meine Klienten auch nicht tun. Wenn ich also will, dass sich meine Klienten ändern, dass sie respektvoll mit ihren Partnern und Kindern umgehen, dass sie – wenn nötig – ihre Vergangenheit aufarbeiten und destruktive Muster durch neue Verhaltensweisen ersetzen, dann muss ich respektvoll mit ihnen umgehen, und ihnen durch meine Bereitschaft, eigene Muster zu hinterfragen, Vorbild sein. Diese Aussage wirklich ernst zu nehmen, war jedoch ein langer Weg. Und er begann mit einer Krise. Hier mein Protokoll

Sommer 2016: Nachdenken über die Krise
Seit einiger Zeit mache ich meine Arbeit mit den vom Jugendamt vermittelten Familien immer leidenschaftsloser. Es ist schwierig für mich, mit Menschen zu arbeiten, von denen ich meine, sie müssten sich dringend ändern, die dann aber doch so bleiben, wie sie sind. Ich habe mich innerlich abgewendet und bin gleichgültig geworden. Ich sitze meine Zeit ab und unterhalte mich nur noch über Belanglosigkeiten wie: "Hausaufgaben gemacht oder nicht". Gleichzeitig tauchen abwertende Gedanken auf: "Wie die schon redet. Wie die aussieht. Wie blöd die ist!"

Eine Zeit lang habe ich mir vorgemacht, dass es ganz in Ordnung sei, so zu arbeiten. Schon bevor ich aus dem Auto gestiegen bin, habe ich innerlich die Entscheidung getroffen, es mir leicht zu machen. Aber nach diesen Terminen fühle ich mich energielos und müde – ganz anders als bei meiner anderen Arbeit als selbständige Familientherapeutin. Wieder gerate ich in Versuchung, diesen Umstand auf das "bildungsschwache Klientel" zu schieben, das mir die Jugendämter vermitteln.
Schon während ich das schreibe, erkenne ich den Zusammenhang. Ich verziehe vor Unmut das Gesicht, als hätte ich Zahnschmerzen: Ich bin in die Abwertungsfalle getappt. Abwertung kenne ich aus meiner Ursprungsfamilie. Mein Vater hat oft zu mir gesagt, dass ich zu dumm sei, nichts könne. Wenn ich mich anstrenge, um Veränderung zu ermöglichen, mein Gegenüber aber einfach so weiter macht wie zuvor, dann fühle ich mich wertlos – so wie damals. Und deshalb habe ich die mir zugewiesenen Familien innerlich abgewertet.
Ich weiß, dass ich so nicht weitermachen will. Und ich weiß, dass ich zuerst an mir arbeiten muss, wenn ich etwas verändern will. Als mir bewusst wird, wie viele Gefühle ich durch die Abwertungsstrategie wegdrücke, nehme ich mir vor, mit diesen Gefühlen zu arbeiten, sie für die Beratungen zu nutzen.

Alte Muster behindern den Neuanfang oder: Wie ich übers Ziel hinausschieße
Frau S. war nicht, wie vereinbart, zum Erstgespräch in einer Tagesklinik erschienen und will jetzt gar nicht mehr dorthin, weil "die total doof waren", obwohl ihre Tochter, O., nur deshalb seit Kurzem auf eine Ganztagsschule geht, damit Frau S. in die Tagesklinik gehen kann. Auch den Ein-Euro-Job, der inhaltlich genau dem entspricht, was sie gelernt hat und gern macht, will Frau S. nicht annehmen, weil es ihr zu unbequem ist, mit dem Bus dorthin zu fahren. Ich konfrontiere sie mit meiner Wut: "Ich kann die Ausreden nicht mehr hören und ich werde auch nicht mehr an O.s Verhalten arbeiten, wenn O. die Einzige ist, die sich hier verändern soll." Und ich setze hinzu: "Ich möchte die Maßnahme beenden, wenn ich keinen Auftrag von Ihnen bekomme." Dann beruhige ich mich etwas und sage sanfter: "Es ist völlig okay, wenn Sie so weiter leben wollen wie bisher. Nur gibt es dann für mich keinen Grund mehr, hier vorbeizukommen".
Während ich allerdings meinte, so schön mit mir im Fluss zu sein, war ich über das Ziel hinausgeschossen. Das Tonband hatte zwar festgehalten, dass meine Stimme am Schluss tatsächlich sanft war, meine Wortwahl war es aber nicht. Bei dem Versuch, etwas Neues zu probieren, war ein anderes altes Muster wieder aufgetaucht: Ich hatte ihr gedroht. "Wenn Sie sich nicht verändern, dann komme ich nicht mehr." Wenn – dann. Das kenne ich nicht nur aus meiner Arbeit. Ich muss mich bei Konflikten noch immer stark darauf konzentrieren, nicht in dieses Muster zurückzufallen: "Wenn du das und das nicht machst, dann...!" Wie oft habe ich das in meiner Kindheit und Schulzeit gehört?
Kurze Zeit später schreibt mir Frau S. auf WhatsApp, dass sie weiterhin Familienhilfe möchte. Als ich zum nächsten Termin komme, bin ich nervös: "Ich möchte zu unserem letzten Gespräch gerne noch etwas sagen. Ich bin unzufrieden mit mir, weil ich gesagt habe, dass ich die Familienhilfe nur weiterlaufen lasse, wenn Sie sich verändern. Was ich zu sagen hatte, hätte ich auch ohne wenn – dann sagen können. Manchmal, wenn ich mich aufrege, gerate ich wieder in dieses alte Muster. Das tut mir leid."
Frau S.: "Ja, da sind Sie in ihr altes Muster gefallen, wie ich auch manchmal."

Gleichwürdigkeit herstellen: Gespräch mit Frau N.
Bei Frau N. hatte ich schon vor längerer Zeit begonnen, meine Zeit abzusitzen, weil sie auf mein Feedback zu ihrem Verhalten nicht reagiert und ihr Verhalten auch nicht geändert hatte. Das wollte ich jetzt ändern. Ich sage ihr, dass ich nachgedacht habe, weil mir aufgefallen sei, dass ich ihr in der letzten Zeit viele Erziehungstipps gegeben habe, auf die sie nur mit "ja, ja" reagiert, aber keinen einzigen Tipp umgesetzt habe. Frau N. reagiert nervös: "Ja, ich hatte halt Kopfschmerzen und außerdem kann ich das ja immer noch machen."
Ich: "So meine ich das gar nicht. Es kann ja sein, dass das nur meine Wünsche und Ideen waren, und gar nicht Ihre. Sie wirken nämlich in der letzten Zeit sehr zufrieden und glücklich".
Sie (lächelt): "Ja, das stimmt auch, eigentlich will ich das gar nicht so machen."

Die Verantwortung dort lassen, wo sie hingehört: Gespräch mit Familie P.
Die Tochter von Familie P. soll in eine Ganztagsschule, das ist auch die Vorgabe vom Jugendamt, weil die Mutter drogenabhängig war und die Tochter keinen geregelten Tagesablauf hatte, häufig bei Freunden, einer Tante oder den Großeltern gewohnt hat. Jetzt lebt die Mutter allerdings seit längerer Zeit drogenfrei, sie hat einen Partner, eine Wohnung und einen Arbeitsplatz. In unserem Gespräch wird deutlich, dass die Eltern die Tochter gar nicht in die Ganztagsschule geben wollen. Zunächst erklären sie, sie hätten kein Geld, doch auf meine Nachfrage, ob das nicht eher eine Frage der Prioritäten sei, entgegnen sie, dass es ja auch ohne die Ganztagsschule gehe.
Ich sage, dass ich Frau C. vom Jugendamt darüber informieren muss, weil ich Familie P. im Rahmen eines Zwangskontextes betreue, also eine vom Jugendamt installierte Familienhilfe bei anstehender Inobhutnahme. Das bedeutet, dass ich die Familie nicht nur begleite, sondern auch einen Kontrollauftrag habe.

Mutter: "Und was passiert dann?"

Ich: "Sie haben doch das Sorge- und Aufenthaltsbestimmungsrecht für Ihre Tochter. Ich rufe morgen Frau C. an und informiere sie. Und wenn sie darauf besteht, sage ich Ihnen Bescheid. Zur Not können Sie Ihre Tochter dann immer noch für die Ganztagsschule anmelden."
Ich kann gut aushalten, dass die Familie entscheidet, wie sie es für richtig hält und nicht das macht, was ich für besser halte. Meine Verantwortung ist, dass ich meinen Standpunkt klar vertrete. Was die Eltern dann damit machen, ist ihre Verantwortung, und die Transparenz gegenüber dem Jugendamt gewährt den Schutz des Kindeswohls.

Mit all meinen Gefühlen präsent: Gespräch mit Frau E.
In einem Gespräch erzählt Frau E. von Schwierigkeiten mit ihrem Sohn. Sie kann nicht "Nein" sagen. Ich merke, dass ich kaum folgen kann. Stattdessen bin ich damit beschäftigt, zu überlegen, ob ich Alkohol bei ihr gerochen habe. Ich merke, dass ich sie einfach erzählen lasse, und manchmal nur deshalb etwas sage oder frage, um sie am Reden zu halten. "Frau E., ich möchte Sie unterbrechen. Ich dachte eben, dass ich Alkohol bei Ihnen rieche. Jetzt bin ich die ganze Zeit mit diesem Gedanken beschäftigt und möchte ihn aussprechen, weil ich mich sonst nicht mehr auf Sie konzentrieren kann." Darf man solche Gedanken überhaupt aussprechen? Walter Kempler, einer der Begründer der erlebnisorientierten Familientherapie, betont, dass es für ihn nicht wichtig ist, ob er solche Gefühle oder Gedanken haben sollte, sondern nur, ob er sie hat; dass es nicht wichtig ist, ob er als grausam angesehen wird, wenn er offen sagt, was er in einer Sitzung erlebt, sondern nur wichtig ist, ob es für ihn notwendig ist, es offen zu sagen, weil er sonst damit beschäftigt wäre, den Gedanken wegzudrängen – und sich damit dem Gegenüber als präsenter Gesprächspartner entziehen würde.
Frau E. entgegnet: "Nein, ich habe gar nichts getrunken, meine Mutter war Alkoholikerin."
Ihr jetziger Mann ist auch Alkoholiker. Ich bin sofort wieder präsent, und ab diesem Zeitpunkt entwickelt sich eine gute Beratung.

Nicht weiterwissen ist nicht das Ende: Gespräch mit Familie U.
Frau und Herr U. haben zwei Töchter und waren beide drogenabhängig. Jetzt leben sie getrennt. Frau U. hat eine Drogentherapie gemacht, Herr U. nicht, aber auch er konsumiert keine Drogen mehr. Frau U. und die Kinder wünschen sich, dass Herr U. mehr Zeit mit den Kindern verbringt. Er sagt, er habe dafür nicht genug Geld.

Ich: "Ich frage mich, ob Sie tatsächlich meinen, dass Sie Geld brauchen, um mit Ihren Kindern Zeit zu verbringen, oder ob das Ausreden sind?"

Sie: "Ich würde Dir ja auch Essen für die Kinder mitgeben oder Getränke für den Spielplatz, aber ich will Dir nicht alles hinterhertragen. Die Initiative soll von Dir kommen."
Er: "Ja, Du hast mal Essen mitgegeben, aber schon länger nicht mehr".

Sie: "Weil ich Dir nicht alles hinterhertragen möchte".

Er: "Hm." (Schweigen.)

Ich: "Ich weiß auch nicht weiter. Ich erlebe, wie Sie, Frau U., sich bemühen, Ihren Ex-Partner in Bewegung zu bringen, und mir fällt es schwer, nicht ins gleiche Horn zu blasen. Ich glaube aber, dass das nichts bringt. Wenn für Herrn U. alles in Ordnung ist, so wie es ist, dann sehe ich nur die Möglichkeit für Sie, Frau U., an sich zu arbeiten und zu schauen, wie Sie trotzdem ein gutes Leben mit Ihren Kindern haben können."

Sie: "Dann sieht er seine Kinder gar nicht mehr."

"Ja", sage ich, "das kann sein. Und diesen Schmerz müssen Sie und Ihre Kinder dann aushalten."

Gleichwürdige Beziehungen
Begonnen hatte alles damit, dass ich frustriert war und mich innerlich abgewendet hatte, wenn sich meine Klienten nicht verändern wollten. Jetzt weiß ich, dass meine Verantwortung nicht darin besteht, die anderen durch Vorschriften und Bevormundung zu verändern, sondern darin, die Beziehung zu ihnen so zu gestalten, dass Veränderung möglich ist. Das bedeutet zunächst, meine Gefühle und Einschätzungen möglichst ehrlich mitzuteilen und von den Klienten Rückmeldung dazu zu fordern – auch und gerade wenn ich damit unbequem bin. Seit ich diese innere Klarheit gewonnen habe, kann ich besser aushalten, wenn meine Klienten anders leben, als ich es gut finde.
Gleichzeitig will ich natürlich Veränderung. Doch gerade weil ich in einem Zwangskontext wie der verordneten Familienhilfe Veränderung herbeiführen will, ist diese Einsicht in die Gleichwürdigkeit (nicht Gleichberechtigung!) der Beziehung und die Grenzen der eigenen Verantwortlichkeit wichtig. Denn die Familien, die mir das Jugendamt vermittelt, müssen mich in ihre Wohnung und in ihr Leben lassen – ob sie wollen oder nicht. Wenn ich sie dann bevormunde, ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass sie versuchen, sich zu schützen – und sich gegen Veränderung sperren. Eigentlich geht es jedoch darum, ihre Integrität zu stärken, ihnen und ihrer Lebenssituation in einer gleichwürdigen Beziehung, trotz allem, Respekt und Achtung entgegenzubringen. Ich weiß auch aus eigener Erfahrung, dass Gleichwürdigkeit viel eher nachhaltige Veränderung ermöglicht als Bevormundung. Der Mut zu einem ehrlichen "Nein" anstelle eines ausweichenden "Ja, ja", dem dann doch keine Handlung folgt, ist ein wichtiger Entwicklungsschritt. Gleiches gilt für die Anerkennung der Realität, auch wenn sie schmerzhaft ist. Solche Entwicklungsschritte schaffen belastete Familien eher, wenn ich als Vorbild agiere.
Im besten Fall profitieren sowohl Klienten als auch Familienhelferinnen von der Zusammenarbeit. In meinem Fall ist das so. Ich habe gelernt, meine Gefühle nicht mehr zu unterdrücken, meine Klienten nicht mehr abzuwerten, und ich habe wieder Freude an meiner Arbeit. Und die gewonnenen Einsichten sind für mich zu einer Burnout-Prophylaxe geworden.
Die Familiengeschichten sind so weit abgewandelt, dass eine Rückverfolgung nicht möglich ist.


- Tanja Göttmann -

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